Projekt:
Geladener Wettbewerb (DAV München),
2009. Innovationspreis.
Kosten:
1,5 Mio Euro (ohne Transporte, geschätzt). Geschossfläche:
900m2
Team:
Simon Beis (Planungsbüro Simon Beis, Abensberg), Manfred Sternecker, Wolfgang Rossbauer.
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SITUATION: EIN PERFEKT-SYMMETRISCHER EINGRIFF IN DIE NATUR
Begibt man sich ins Gebirge zum Skifahren oder zum Wandern, so lässt man Schritt für Schritt sein Dorf, seine Heimat im Tal zurück. Man verlässt die Zivilisation und tritt in eine archaischere, von der menschlichen Kultur bedeutend weniger veränderte Natur ein.
Unser Vorschlag fängt dieses Erlebnis auf und kehrt es in ein überraschendes Moment um: An einer markanten Stelle mitten im Hohen Tauern erhebt sich erhaben ein kristallines - regelmässigen geometrischen Regeln folgendes - Volumen. Es steht mittig auf einem vorspringenden Grat und exponiert sich allseitig gleichbedeutend in die Weite.
Mit einer hochpräzisen, perfektionierten Form wird ein klarer Gegensatz zur vorhandenen „natürlichen“ Formensprache der Berge hergestellt. "Natura versus Cultura" ist der Leitgedanke. Der menschliche Eingriff in die archaisch wilde Natur soll formal ordnend sein: Der Versuch, eine menschlich-mögliche Absolutheit zu erzeugen.
Die rotationssymmetrische Form beruht auf einem regelmässigen Pentagon. Mit der freigestellten Positionierung und der einprägsamen Form wird der Anschein einer komplett anderen, unerwarteten Welt in das Gebirge geholt. Es entsteht ein Ort von hoher ikonographischer Kraft, der dem DAV eine neue Identität verleihen soll.
ORGANISATION: EINE SPIRALE IN DEN HIMMEL
Alle Räume sind zwischen dem mittigen Treppenhaus und der Fassade spiralförmig angeordnet. Die Ebene eines „Kuchenstücks“ liegt je 55,5cm über der vorhergehenden - die Erschliessung erfolgt durch je drei Stufen.
An der dicksten Stelle des Volumens befindet sich das Restaurant, der Eingang und die Küche, da diese Räume am meisten Platz brauchen. Unterhalb des Knicks befinden sich die Personalräume und alle Nebenräume (Lager, WC, Technik, etc.). Oberhalb des Knicks sind zunächst die grösseren Räume – die 6er Zimmer – angeordnet. Das Volumen verjüngt sich nach oben: je weiter man nach oben kommt, desto kleiner werden folglich die Zimmer. Sinnigerweise sind daher zunächst die 4er Zimmer, danach die 2er Zimmer und die Sky-Lounge angeordnet.
RAUMBILDUNG: EIN OFFENES SYSTEM
Das rotationssymmetrische Prinzip des Pentagons erlaubt ein komplexes Raumprogramm innerhalb eines äusserst einfachen Raumsystems: Die sternförmige Raumanordnung ist logisch, ihre genaue Ausformulierung kann jedoch unterschiedlich ausfallen.
Der Abschnitt des Volumens – oben sowie unten – ist ein architektonischer Entscheid, der durch Kostenberechnung, Raumprogramm und formalem Willen beeinflusst wird. Ändern sich die Parameter, so kann das Volumen in der Entwurfsphase nach oben oder unten erweitert werden.
BAUPHYSIK
Der Baukörper wurde kompakt und ohne Wärmebrücken ausgebildet. Das konzentrische Volumen auf der Basis eines Pentagons nähert sich bauphysikalisch gesehen einer Kugel an: Es entsteht ein optimales Verhältnis von Volumen zu Oberfläche (kleinstmögliche Übertragungsfläche). Die Hülle besteht aus einer Massivholzwand (Holz100 Wand, 25cm) und einer aussenliegenden Holzweichfaserplatte (12cm). Der U-Wert beträgt 0,168 W/m2K. Die Auskühldauer von Holz100 beträgt ca. 30 Tage. Die speichernde Eigenschaft der Konstruktion wird zur Erhaltung der im Inneren erzeugten Wärme verwendet. Die Fensterflächen sind mit etwa 10% der Grundfläche gering gehalten. Es wird ein Glas mit niedrigem U-Wert (ca. 0,5 W/m2K) verwendet, um den Energieverlust gering zu halten. Das Volumen wurde so ausgebildet, dass starke Winde die geringstmögliche Einwirkung erzeugen.
TRAGWERK – TETRIS IN 3D
Die vorgeschlagene Konstruktion in Massivholzplatten (Holz100) ist hocheffizient, da alle Verbindungen - egal ob vertikal oder horizontal - gleich ausgeführt werden können. Das Prinzip „Decke = Wand = Boden“ vereinfacht das Herstellungs- und Montageverfahren. 8cm/8cm-Hölzer werden kraftschlüssig aneinandergereiht. Beidseitig werden danach mehrlagig (unterschiedlich rotiert) Brettschichten verdübelt. Statisch wird eine echte – im Gegensatz zum fachwerkgeprägten Holzbau – Scheibe erzeugt. Die Planung, Herstellung und Montage funktioniert wie das Spiel TETRIS – nur in drei Dimensionen.
Die Lasten werden zum einen über den durchgehenden pentagonalen Kern bis ins Fundament abgetragen. Zum anderen dient dazu die Fassade, deren leicht schräg gestellten Scheiben (7 Grad unten, 10 Grad oben) die Kräfte ebenfalls direkt einleiten. Die Trennwände spannen die Fassade zum Kern zurück und erzeugen so ein steifes Gesamttragwerk. Sie stehen durchgehend übereinander. An den freigespielten Stellen (zB. Restaurant) wirken sie für die darunter- oder darüberliegenden Räume als Über- bzw- Unterzüge.

Fassade

5. Obergeschoss

4. Obergeschoss

3. Obergeschoss

2. Obergeschoss

1. Obergeschoss

Erdgeschoss

1. Untergeschoss

2. Untergeschoss
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